Chronik

 


50 Jahre TuS Vahr 1959-2009

Die Geschichte

Zwei Jahre nach der Grundsteinlegung zum größten geschlossenen Neubaugebiet der Bundesrepublik, im Mai 1959, erfolgte die Gründung des TuS Vahr.
Zu dieser Zeit schien die Gründung eines Sportvereines  mehr als ungünstig. Die Neue Vahr war eine Baustelle. Außer der Gartenstadt Vahr und zwei weiteren Bauabschnitten waren die anderen Teilabschnitte noch nicht fertig. Eine Schule war errichtet, von Turnhallen und Sportstätten keine Rede. Aber es gab Optimisten und Sportbegeisterte, die auf einer, in Turnerkreisen üblichen Himmelfahrtstour, sämtliche Vorbehalte über Bord warfen und den Entschluss fassten, einen Verein zu gründen. Aus dieser gebildeten  Interessengemeinschaft war es schließlich Willi Schöttner, der den Anstoß zur Gründung eines Sportvereines gab. Er war jahrelang beim TSV Bassum ehrenamtlich tätig. Durch seinen Umzug in die Vahr suchte er ein neues Betätigungsfeld. Bevor der Gründungsgedanke in die Tat umgesetzt werden konnte, mussten grundsätzliche Voraussetzungen geschaffen werden. Die Suche nach Trainingsstätten gestaltete sich schwierig. Schulturnhallen waren ja noch nicht vorhanden. Man erreichte, dass die Sporthalle Lettow-Vorbeck-Kaserne benutzt werden konnte, sowie der Rasensportplatz  in der Beneckendorffallee .Ein Anfang war gemacht.

Als nun die notwendigen Voraussetzungen geschaffen waren, fand am 22.März 1959 die Gründungsversammlung statt. 48 Versammlungsteilnehmer wählten dann folgenden Vorstand:
1.Vorsitzender: Willi Schöttner
2.Vorsitzender: Max Schrock
3.Vorsitzender: Harry Fandrey (der später nach Marßel zog und die SG Marßel gründete)
Kassenwart: Harry Beuger
Beisitzer: Richard Jacob
Geschäftsführer: Hans-Friedrich Tielken
Pressewartin: Ingeborg Hoffmann
Frauenwartin: Evelyn Kochmeier
Jugendwart: Jürgen Freytag

Nach und nach wurden die Abteilungen:
Boxen, Federball, Fußball, Handball, Judo, Leichtathletik, Schach, Bogenschießen,
Schwimmen, Tennis, Tischtennis und Turnen gegründet.

Wer mag es heute glauben, dass ein Sportbetrieb zum Teil  unter freiem Himmel auf einem Acker und in einer verwahrlosten Kasernenhalle, mit kaputten Fenstern und ohne Toiletten, kalt und schmutzig, möglich war. Aus Mangel an geeigneten Übungsstätten mussten viele Sportangebote im Freien stattfinden. So trainierten die Leichtathleten, insbesondere die Läufer und Speerwerfer auf dem Grünstreifen entlang der Franz-Schütte-Allee. Turner und Leichtathleten übten auf einer Wiese, wo heute der Sportplatz Carl- Goerdeler- Str. liegt.

Leider waren einige Sportarten nicht von Dauer, da es an Übungsstätten bzw. Übungsleitern fehlte. Aber trotz anfänglicher Schwierigkeiten zeigten sich bald Lichtblicke am Sporthimmel. Der Sportplatz neben der Schule Gartenstadt Vahr wurde fertig gestellt und konnte von den Ballspielern des Vereins genutzt werden. Hinzu kam die Fertigstellung der Großturnhalle Schule Parsevalstrasse, wo der Verein einige Stunden belegen konnte. Dann kamen die Turnhallen der Schulen Carl-Goerdeler-Strasse und Gartenstadt  Vahr . Nun endlich konnte der Verein den vielen Sportlern im Stadtteil gerecht werden. In diese Zeit fiel auch die Übergabe des Hallenbades, als Geschenk der GEWOBA an die Bewohner der Vahr. Das Bad erhielt den Namen des damaligen Geschäftsführers Herbert Ritze. Nicht viele  Vereine konnten Trainingsmöglichkeiten im Schwimmbad direkt im Stadtteil anbieten. Was fehlte war nun ein Sportplatz mitten in der Vahr. Hier war ein zähes Ringen nötig und nur durch das  Zusammenwirken von dem Vorsitzenden der SPD Bürgerschaftsfraktion Richard Boljahn, dem GEWOBA Geschäftsführer Herbert Ritze und dem TuS Vahr wurde das Gelände hinter der Schule Carl-Goerdeler-Strasse zum Sportplatz umgebaut. Zum fünfjährigen Geburtstag des TuS Vahr am 22.5.1964 übergab Senatorin Mevissen den Sportplatz endlich an den TuS Vahr.

1967 erfolgte die Fertigstellung der Blockdieker Turnhalle Düsseldorfer Strasse. Eine Ausdehnung Richtung Blockdiek war nötig geworden, da die Mitgliederzahlen  weiter stiegen und immer mehr Bewohner aus benachbarten Wohngebieten das Sportangebot des TuS Vahr nutzten.

1968 wurden die Umkleideräume am Sportplatz Beneckendorffallee  an den TuS Vahr übergeben. Fast  zehn Jahre hat es gedauert bis die Fußballer Umkleideräume, Duschen und vor allem Toiletten bekamen. Auch wurde der Bau der Halle Kurt-Schumacher-Allee  beendet, so dass die Handballer nun eine wettkampfgerechte Halle hatten. Der Stadtteil und auch der Verein wuchsen immer weiter. Fast 4.000 Mitglieder zählte der Verein an seinem 10. Geburtstag. In dieser Zeit stellt die  Turnabteilung  die größte Abteilung im Verein und im Bremer Turnverband dar. Mit viel Schweiß konnten die Trainer Dagmar und Erwin Kolk, sowie auch Hanna Gumprich  eine leistungsstarke Mädchenturnriege zusammenstellen, die  über die Grenzen hinaus erfolgreich waren.
Auch in den anderen Sparten wurden Erfolge gefeiert. Marion Barg wurde 1971 nicht nur schnellste Bremer Schwimmerin, sondern gehörte auch dem C-Nationalkader an. Die Judoabteilung  unter Leitung von Hein König erfreute sich so großer Beliebtheit, dass aus Platzmangel keine weiteren Kinder aufgenommen werden konnten. Die Frauenhandballmannschaft  spielte in der höchsten Klasse, der Nordseeliga. Dort haben sie sich einen guten Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus erworben. Aber auch die Mitglieder der Leichtathletik- und Tischtennisabteilung machten auf sich aufmerksam. Besonders auffallend waren zu dieser Zeit  die herausragenden Leistungen der Jugend im TuS Vahr. Dies war wiederum nicht verwunderlich, da 80% der Gesamtmitglieder  unter 21 Jahre alt war. Über Mitgliederzuwachs konnte der Verein sich nicht beklagen. Erklärtes Ziel zu dieser Zeit war eine Verbesserung  der Trainingsmöglichkeiten.

Das stetige Wachsen bescherte dem Verein Anfang der siebziger Jahre ein organisatorisches Problem. Der ehrenamtliche Vorstand war an seine Grenzen gestoßen. Es wurde überlegt einen hauptamtlichen Geschäftsführer einzustellen. Auf der dazu einberufenen, außerordentlichen Jahreshauptversammlung 1974 konnte sich diese Idee allerdings nicht durchsetzen. Differenzen bei der Mitgliederstatistik und den Finanzen sorgten für Schlagzeilen. 1976 sorgte ein weiterer Fall für Schlagzeilen. Die Fußballabteilung des TuS Vahr trat geschlossen aus und gründet einen neuen Verein, den SC Vahr. Die Gesamtmitglieder des TuS Vahr wollten die immer weiter steigenden Kosten für den Leistungssport Fußball nicht mehr tragen. Eine für alle vertretbare Lösung konnte nicht herbeigeführt werden. Durch diese Umstände war ein großer Mitgliederschwund zu verzeichnen. Aber auch ein Wandel machte sich bemerkbar. Der Verein wollte zwar weiterhin Leistungssport anbieten, aber nur ohne finanzielles Risiko. Außerdem  veränderte sich die Altersstruktur im Stadtteil.

1987 hält der Gesundheitssport Einzug in den Verein. Es wurde eine Gruppe für an Brustkrebs erkrankte Frauen, sowie eine Herzsportgruppe gegründet.
1988 wurde die Handballabteilung im TuS Vahr aufgelöst. Badminton (1989) und Karate (1990) kommen als neue Angebote dazu.
Der TuS Vahr wurde Stützpunkt Verein für die Integration von Aussiedlern im Sport.
Trotz massiver Proteste der Sportler, Beiräte und Anwohner wird das einzige Schwimmbad in der Vahr (Herbert-Ritze-Bad) zum 30.6.1993 geschlossen. Nach 30 Jahren intensiver Nutzung war es renovierungsbedürftig und technisch veraltet. Das Schwimmangebot  beim TuS Vahr musste stark eingeschränkt werden, da in den anderen Bremer Bädern nicht genug Wasserzeiten frei waren. Es erfolgte ein weiterer Mitgliederrückgang.

1997 drohte dann die nächste Bäderschließung. Das Freibad „Schlossparkbad“ sollte nun auch geschlossen werden. Hier konnten Schulen, Vereine und der gesamte Bremer Osten die Politiker überzeugen, dass Bad zu erhalten.

Da die Schaffung vereinseigener Anlagen (eigene Halle mit Räumen für die Geschäftsstelle) aus finanziellen  Gründen nicht machbar war, kaufte  der TuS Vahr 2001 eine Eigentumswohnung, um die Geschäftsstelle kostengünstig unterzubringen. Auch wurde in diesem Jahr die Leichtathletikabteilung aufgelöst. Der Verein verlor eine weitere Traditionsabteilung. Zu wenig Interesse an dieser Sportart machte diesen Schritt nötig.

Wirft man heute einen Blick auf unsere Mitglieder lässt sich eine Umkehr in der Altersstruktur erkennen. Der Stadtteil ist älter geworden und unsere Mitglieder auch. Heute sind 40% unserer Mitglieder über 40 Jahre, 40 % unter 14 Jahre und nur 20%  zwischen 14 und 40 Jahre. Dies macht  ein Umdenken bei den Sportangeboten nötig. Mannschaftssportarten  wie Volleyball, Tischtennis und auch Judo/Karate sind rückläufig. Gesundheits- und Seniorensport sind im Trend. Kurse, die Mitglieder nicht an den Verein binden, ebenfalls.

Die Hauptaufgabe wird es sein, sich  immer wieder den neuen Herausforderungen zu stellen, um möglichst eine große Palette von sportlichen Aktivitäten für viele Menschen im Stadtteil anzubieten.

Denn ist Sport im Verein nicht am Schönsten?